Vereinsgeschichte
Von Fredy Kümin, Präsident Verein „Freunde der Insel Ufnau“
Hebed Sorg
Ach Ufnau! Wer bei dir aus dem Kahn steigt, quert
jene delikateste Linie, wo seit abertausend Jahren
Der See dich küsst …
Dein Boden ist tiefgründiger als Menschengedenken.
Man nennt ihn heilig auf Schritt und Tritt und unantastbar.
Doch neuere Zeiten belauern dich aus nächster Ferne:
Ufer, heillos beklotzt mit Scheuss und mit Ramsch.
Wer immer dir sich nähert, dem rat’ ich aufzumerken.
Wasser, Wellenschlag, Wind im Schilf und in den
Bäumen, die alten Gemäuer, jeder Stein sagt streng
und heiter:
Oh ihr churzläbige Schatte! Ich bi tuusigmool
elter als ihr! Tänked draa!
Und tuusigmool jünger! Hebed Sorg!
(Gerold Späth 2005, geschrieben für die Schrift „Ufnau Insel der Stille“)
Kaiser Otto der Grosse schenkte am 23. Januar 965 die Insel Ufnau und die umliegenden Siedlungen dem Kloster Einsiedeln. Im Mittelalter war die Ufnau das geistige und religiöse Zentrum der oberen Zürichsee-Region. Von hier aus erfolgten wesentliche religiöse Impulse für die Bevölkerung. Für die damaligen Menschen war sie ein Ort der Begegnung, des Gesprächs mit dem Nachbarn, der gegenseitigen Hilfe. Die Ufnau war Treffpunkt des damaligen Lebens am oberen Zürichsee.
Mit Schiffen fuhren die Gläubigen zum sonntäglichen Gottesdienst, zu kirchlichen Festanlässen und zu Beerdigungen. Der See war verbindendes Landschaftselement. Die Tatsache, dass die Leute vom linken und rechten Ufer vor rund 1000 Jahren einander näher standen als heute im Zeitalter von Handy und Internet, mag merkwürdig anmuten. Andererseits war es ebenfalls der See mit seinen Unwettern, der die Loslösung von der Urpfarrei förderte. 1308 trennten sich die Leute am Nordhang des Etzels von der Urpfarrei Ufnau und gehörten fortan zur Pfarrei Freienbach.
Trotz dieser Loslösungen blieb die Insel über Jahrhunderte für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Kloster tolerierte diese Form der Benützung und gewährt der Bevölkerung seit Jahrhunderten Gastrecht auf der Ufnau. In jüngster Zeit hat sich vieles verändert. Die Beanspruchung durch die Öffentlichkeit wurde immer intensiver.
Gleichzeitig beansprucht die Klostergemeinschaft im Gegensatz zu früheren Zeiten, als die Mönche jeweils für einige Tage in die Ferien an den Zürichsee kamen, die Insel immer weniger für ihre eigenen Bedürfnisse. So gelangte das Kloster im Jahre 2001 an die Gemeinde Freienbach mit der Bitte um Unterstützung im Bereiche der vielfältigen Aufgaben auf der Insel!
Der Gemeinderat Freienbach erkannte, dass das Kloster Einsiedeln als alleinige Eigentümerin für die verantwortungsvollen Aufgaben auf der Ufnau die Unterstützung der Öffentlichkeit verdient. Eine Arbeitsgruppe, die sogenannte „Konzeptgruppe Ufnau“, wurde gebildet und erhielt den Aufrag, Entscheidungsgrundlagen für eine Neuregelung des Verhältnisses zwischen dem Eigentümer und der öffentlichen Nutzung zu erarbeiten.
Die Konzeptgruppe Ufnau hat darauf umfangreiche Abklärungs- und Entwicklungsarbeit geleistet. Aus eigener Überzeugung, aber auch in Berücksichtigung, dass Natur und Landschaft wie auch die verschiedenen Baudenkmäler auf der Ufnau durch verschiedene Rechtserlasse von Bund und Kanton geschützt sind, hat sie zusammen mit dem Kloster das Konzept „Insel der Stille“ erarbeitet. Dieses orientiert sich an den folgenden Grundwerten, die man der Insel Ufnau zugeordnet hat:
Alle künftigen Aktivitäten auf der Ufnau sollen sich an diesen Grundwerten orientieren und damit die Ufnau in ihrer Einzigartigkeit bewahren.
Kloster und Gemeinde haben für die Umsetzung des Konzeptes „Insel der Stille“ die Gründung einer „Stiftung Insel Ufnau“ vorgeschlagen. Der Souverän der Gemeinde Freienbach hat dann allerdings im Jahre 2003 den dazu erforderlichen Stiftungsbeitrag von 550'000 Franken abgelehnt, während die Röm.-kath. Kirchgemeinde mittels Urnenabstimmung einen Beitrag von 150'000 Franken gutgeheissen hat!
In der anschliessenden Standortbestimmung zeichnete sich im Kontakt mit dem Kloster die klare Absicht ab, mit der Gründung eines Vereins die Wertschätzung für die Ufnau weiterhin zu pflegen, die angefangenen Arbeiten weiterzuführen und damit dem Konzept „Insel der Stille“ zum Durchbruch zu verhelfen.
Im Frühling 2004 wurden die Vorbereitungen getroffen und am 29. Juni 2004, am Tage der Kirchenpatrone Peter und Paul, konnte in der Kirche St. Peter und Paul der Verein „Freunde der Insel Ufnau“ gegründet werden.
Nach dem Gründungsakt legte die Schwyzer Kantonalbank mit ihrem grosszügigen Beitrag von 200'000 Franken einen wichtigen Grundstein für die künftige Arbeit des Vereins.
Die feierliche Gründungsversammlung vermochte manches „feu-sacré“ für die Ufnau erneut zu entfachen. Im Laufe des Sommers 2004 hat sich der Vorstand konstituiert und erste Arbeiten wurden an die Hand genommen. Gemeinsam mit dem Kloster sind die Zielsetzung des Vereins sowie die Aufgabenteilung, Koordination und Kooperation zwischen Verein, der Projektgruppe und dem Kloster definiert worden.
1. Der Verein „Freunde der Insel Ufnau“ ist ein Förderverein. Das Vereinsziel besteht darin, das Kloster bei der Umsetzung des Konzeptes „Insel der Stille“ zu unterstützen.
2. Die Projektgruppe ist eine Art Stabstelle des Klosters und arbeitet ehrenamtlich im Auftrag des Klosters. Sie beschäftigt sich einerseits mit den Aufgaben bei der Planung und Umsetzung des Konzeptes „Insel der Stille“ andererseits aber auch mit den Fragen des Betriebs und Unterhalts auf der Ufnau.
3. Das Kloster fällt die Entscheide auf Empfehlung der Projektgruppe.
4. Auf der Ufnau wird nur realisiert, was finanziert ist! Die finanziellen Mittel für die Projektierung und Realisierung werden durch das Kloster beschafft. Der Verein unterstützt dabei das Kloster direkt durch finanzielle Beiträge und indirekt, indem er im Hinblick auf politische Entscheidungsprozesse zur positiven Meinungsbildung beiträgt!
Im Januar 2005 hat das Kloster auf Antrag der Projektgruppe die Planungsaufträge für die folgenden Bereiche erteilt:
Behindertengerechter Rundweg auf der Westseite der Insel
Massnahmen zur ökologische Aufwertung
Renovation von Kirche St. Peter und Paul und Kapelle St. Martin
Renovation Haus zu den zwei Raben“
Neubau eines Sommer-Restaurantes als Ersatz für den abzubrechenden Anbau aus dem Jahre 1939
Schritte zur Finanzierung
Das Gesamtprojekt ist auf rund 14 Millionen Franken veranschlagt. Die Bemühungen zur Finanzierung waren erfolgreich. In den vergangenen zweieinhalb Jahren konnten zu Gunsten der Ufnau Projekte beachtliche Mittel generiert werden. So stehen zur Zeit rund 7.5 Millionen Franken in Form von flüssigen und verbindlich zugesicherten Mitteln sowie bewilligten oder in Aussicht gestellten Subventionen zur Verfügung. Neben der Eidgenossenschaft und dem Kanton Schwyz, die im Rahmen der Denkmalpflege beachtliche Beiträge sprechen, sind es die nachfolgenden Gönner und Institutionen, die massgeblich zum Erfolg der Mittelbeschaffung beigetragen haben:
- Privater Gönner, der nicht genannt sein will
- Schwyzer Kantonalbank mit einer Initialspende
- Röm.-kath. Kirchgemeinde Freienbach
- Korporation Pfäffikon
- Paul Schiller Stiftung, Küsnacht
- Avina Stiftung, Hurden
- Evang.-ref. Kirchgemeinde Höfe
- Korporation Freienbach
- Fondation Claude & Giuliana, Vaduz
- Lotteriefonds Kanton Schwyz
- Baugartenstiftung, Zürich
- Gemeinnützige Gesellschaft Schwyz
- Benefizkonzert mit G. Bria in Einsiedeln
- Jubiläumsstiftung der Credit Suisse Group
- Goethe Stiftung für Kunst und Wissenschaft, Zürich
- Fürsorgestiftung Althof-Weidinger, Zug
- Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft, Luzern
- Ernst Göhner Stiftung, Zug
- Verkehrsverein Höfe / Casino Zürichsee AG
Die Tatsache, dass der Verein in den ersten Jahren seiner Existenz beträchtliche Beiträge generieren konnte, spricht ganz sicher für den Wert der Sache. Die Ufnau hat im öffentlichen Bewusstsein einen hohen kulturellen Stellenwert und das Kloster als Eigentümer ist ein Garant für Sicherheit und Stabilität.
Schlussbetrachtung
Die Ufnau hat viele Zeiten und Stürme erlebt! Auch unsere Zeit wird ihre Spuren hinterlassen! Gemeinsames Ziel von Kloster und Ufnau-Freunden ist es, die Würde dieser Stätte zu respektieren und die Einzigartigkeit des Ortes zu bewahren.
Jede Aktivität auf der Ufnau soll zum Ziel haben, diese Werte bewusster zu machen, sie zu schützen und ihre Ausstrahlung immer wieder zu erneuern!
Die nachfolgenden Zeilen stammen aus dem Festspiel zur Tausendjahr-Feier von Pfäffikon im Jahre 1965. Der Freienbacher Lehrer und Autor, Alois Suter, liess die Ufnau folgende Schlussworte sprechen:
„Was euch 40 Generationen hier hinterlassen,
ist Gabe, Aufgabe. Durch Lieben, nicht Hassen
lässt sich das Gute und Echte bewahren.
Es ausbau’n entwickeln in kommenden Jahren
Sei Freud’ euch im Planen, in Sorge und Arbeit
im zweiten Jahrtausend zu jeder Zeit.
Nehmt euch die Lehre aus diesem Spiel:
Zusammenstehen zu gutem Ziel!“ Verein „Freunde der Insel Ufnau“